Home / Projekte / Rathenauplatz
Rathenauplatz
Frankfurt am Main
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Der Rathenauplatz gehört zu den markantesten Stadträumen der Frankfurter Innenstadt: Zwischen Fressgass’, Zeil und Biebergasse treffen historische Fassaden auf die Geschäftshäuser der Nachkriegsmoderne. Die östliche Platzkante hingegen wird bislang von einem heterogenen Gebäudebestand aus dem Jahr 1949 bestimmt, dessen zahlreiche Umbauten und Nutzungswechsel bis heute im Inneren ablesbar geblieben sind – vom Theater über Kino bis hin zur heutigen Buchhandlung.
Beide Entwurfsansätze verstehen Architektur nicht als Gegensatz von Alt und Neu, sondern als präzise Weiterentwicklung des Vorhandenen. Der Rathenauplatz erhält dadurch eine klar gefasste Stadtkante – und zugleich ein Gebäude, das den Wandel des Ortes sichtbar fortschreibt.
Projektdaten
| Projekttyp | Bauen im Bestand, Arbeitswelten, Retail, Hotel |
| Ort | Frankfurt am Main |
| Wettbewerb | 1. Preis |
| Visualisierungen | PONNIE images |

Im Sinne eines ressourcenschonenden Weiterbauens setzt die Bestandsvariante auf die Weiterverwendung der vorhandenen Struktur. Zwei bestehende Stahlbetongeschosse werden zurückgebaut und durch vier leichte Holzgeschosse ergänzt. Die neue Fassadenhülle aus hinterlüftetem Glasfaserbeton reagiert auf die historische Umgebung: Mit ihrer feinen Tektonik, dem hellen Farbton und einer filigranen Materialstärke verbindet sie Robustheit mit geringem Eigengewicht. Das Fassadenraster von 2,70 Metern schafft eine ruhige Ordnung und vermittelt zwischen den Maßstäben des Platzes.

Zum Rathenauplatz hin öffnet ein zweigeschossiges Entree das Gebäude neu zur Stadt. Ein auskragendes Vordach markiert die Ecke zum Steinweg und verbindet Bestand und Ergänzung zu einer zusammenhängenden Adresse. Bestehende Treppenhäuser bleiben erhalten und werden durch einen zusätzlichen Erschließungskern ergänzt. Die Dachflächen werden als nutzbare Aufenthaltsräume aktiviert: extensiv begrünt, mit Photovoltaik ausgestattet und teilweise als Retentionsflächen ausgebildet. Das zugängliche Dach eröffnet neue Blickbeziehungen zur Frankfurter Skyline.


Die Neubauvariante interpretiert den Ort als hybride Struktur für Handel, Hotel und öffentliche Nutzungen. Das Tragwerkskonzept kombiniert Holz- und Stahlbetonbau und reagiert damit auf die unterschiedlichen räumlichen Anforderungen. Während die unteren Ebenen große, stützenarme Handelsflächen ermöglichen, basiert das Hotel darüber auf einem effizienten Holztragwerk.
Den räumlichen Höhepunkt bildet der Dachgarten: eine intensiv begrünte Landschaft mit Pool, Sitzstufen und Aufenthaltsbereichen über den Dächern der Innenstadt. In einem stark versiegelten urbanen Kontext werden die Dächer so zu einem zusätzlichen Freiraum und Teil der ökologischen Strategie des Projekts.
Beide Entwurfsansätze verstehen Architektur nicht als Gegensatz von Alt und Neu, sondern als präzise Weiterentwicklung des Vorhandenen. Der Rathenauplatz erhält dadurch eine klar gefasste Stadtkante – und zugleich ein Gebäude, das den Wandel des Ortes sichtbar fortschreibt.
